Arno-Reinfrank-Jugendpreis 2017

 

Isabelle Neumann, 18 Jahre 
Gruppe Lyrik 14 bis 21 Jahre


Das Biest

Irgendwie wirkt es fremd, sieht ganz anders aus,
dunkler härter behaarter, du kommst nicht ganz darauf.
Aber eigentlich ist das auch nicht weiter von Belang,
nur eins ist wichtig, es bedroht euer Dorf nun schon zu lang.

Gaston hat Recht, so kann es nicht weiter gehen,
weder könnt ihr noch wollt ihr eure Heimat am Boden sehen.
Also hört ihr und folgt ihr, stillschweigend geeint,
ein Ziel vor Augen das euch alle vereint.

Der Konflikt mit dem Nachbarn, all das ist vergessen,
ihr habt eure Überzeugung und von der seid ihr besessen.
"Es bedroht unsere Frauen, stiehlt uns unser Geld,
lebt auf unsere Kosten, tut nur was ihm gefällt!"

Gaston ist im Recht, das ist allgemein bekannt,
er ist schön stark und mächtig, eure Wut ist entbrannt.
Ihn kennt ihr schon so lange, viel länger als das Biest,
und das ist dann auch der Grund warum du mit ihnen ziehst.

Du weißt es nicht besser, sie sind so vertraut,
also zieht ihr zur Burg, auch diese hat es nicht selbst erbaut.
"Das ist unsere Arbeit, ihm steht es nicht zu,
wir nehmen nur was uns gehört!", das denkst jetzt auch du.

Der Mob er tobt wild, Belle ist entsetzt.
Verteidigt das Biest immer weiter, was dich ins Grübeln versetzt.
"Wie schlimm kann es sein, wenn sie keine Angst empfindet,
ihr Schicksal an sein Überleben hier bindet?"

Kurz spürst du Zweifel und dir wird bewusst,
keiner aus dem Dorf kämpft aus Ehre, ein jeder aus Frust.
Angestaut über Jahre, aus verschiedenen Gründen,
konnte am Ende doch nur in wütender Verzweiflung münden.

Aber Gaston weiß zu reden, weiß immer Rat,
und das Biest, das ist böse, das ist was er sagt.
Irgendwie wirkt es fremd, bestimmt nicht von hier,
und fremd ist verdorben, es motiviert nur die Gier.

Also schlägst du weiter und stichst auf es ein,
dass Gaston falsch liegt kann nun wirklich nicht sein.

Und nun die Moral von der Geschicht,
was du noch nicht kennst das verurteile auch nicht.